Allein durch ganz Deutschland - in einer Woche mit der Piper

Montag, 17.06.2019

Um Punkt 06:00 Uhr morgens aufgestanden. Sachen zusammengepackt und mit großer Vorfreude auf zum Flugplatz Schleißheim (EDNX) gefahren! Davor noch schnell ein Blick in die NOTAMS geworfen und los ging es! Einmal noch zu Edeka gefahren, um mir mein Überlebenspack zu sichern. Müsli, Milch, Riegel, Orangensaft in kleinen Päckchen und ganz viel Wasser (denn genau das hatte ich letztes Jahr vergessen...). Ein Schweizer Taschenmesser habe ich dieses Mal auch dabei. Normalerweise brauche ich nur 7 min zum Flugplatz, heute bin ich erstaunlicherweise 20 min gefahren. Aber nachdem die B13 größtenteils gesperrt war, musste ich einen riesigen Umweg machen und das zur Rushhour. Am Platz angekommen, öffnete ich erstmal alle Hallentore, um das Wetter zu begutachten. So toll war es eigentlich nicht. Die Basis war ziemlich niedrig und viele Wölkchen waren noch am Himmel. Mein Piperchen wartete schon auf mich und mit voller Vorfreude packte ich mein ganzes Gepäck, natürlich mit Beachtung von Weight & Balance! Ich hatte so unglaublich viel Gepäck dabei, dass man fast schon hätte meinen können, ich begebe mich auf eine Weltreise und nicht nur auf eine einwöchige Deutschlandtour. Jetzt musste der Flieger nur noch aus der Halle rausgezogen werden. Netterweise half mir ein älterer Herr aus der Nachbarschaft dabei und er bemerkte, dass man vielleicht vorher noch die Reifen neu aufpumpen sollte. Damit ich nicht den schweren Kompressor holen musste, half er mir mit einer Druckflasche aus. Im Nu waren alle Reifen aufgepumpt. Das Öl noch schnell gecheckt und ebenfalls ein bisschen nachgefüllt. Man kann ja nie wissen. Der DWD stufte das Wetter als Marginal und Difficult ein. Kein optimaler Start… Ich telefonierte kurz mit den Flugplätzen, die ich heute anfliegen wollte, um mich vor Ort über das Wetter zu informieren. Sowohl in Gelhausen als auch in Koblenz schien das Wetter ganz ok zu sein. Das Gute war, die Wolken waren tief und größtenteils aufgelockert. Ich könnte also über die Wolken steigen und trotzdem noch Bodensicht haben. Dies schien mir ein guter Plan. Schnell noch die Hallentore verschlossen und nochmal alles gecheckt, rein in meine Piper und schon schnurrte der Motor. Kurs gesetzt, Startcheck completed und los. 3000 ft bis zum VOR WALDA und dann 4000 ft. über die Wolken. Ich meldete mich bei FIS an und siehe da, schon wurde ich auf Donau Radar weitergeleitet. Der Grund hierfür war, dass ich den Anflugsektor von Neuburg durchfliegen wollte und man mich so für den anfliegenden Verkehr auf dem Radar haben wollte. Es wurde viel gefunkt. Nicht alles war perfekt, aber man lernt immer wieder Neues dazu und irgendwann kommt die Routine von allein. Einer meiner Vorsätze für meine Reise war, viel nach Karte zu navigieren, was mir auch gut gelang.

Meine Flugzeit betrug ca. 1,5 Stunden. Kurz vor Gelnhausen (EDFG) meldete ich mich bei FIS ab, um dann auf die Frequenz von EDFG zu wechseln. Angemeldet - habe den Platz auch relativ schnell gefunden. Es ist mein erster Graslandeplatz, den ich mit der Piper anfliege. Die Landung war gut, Flugzeug abgestellt, zum Tower hoch, gequatscht und mir ein altes verstaubtes, aber doch noch fahrtüchtiges Fahrrad ausgeliehen. Ab in die wunderschöne Altstadt von Gelnhausen. Das Städtchen liegt an einem Hang, somit musste ich mein Fahrrad größtenteils schieben. Recht überschaubar, aber traumhaft gebaut. Es gab viele kleine romantische Gässchen. Auch die Kirche mit ihrem Turm (in die ich sogar auch mal reinging), hat mir sehr gut gefallen. Auf dem Rückweg gönnte ich mir in einem kleinen Café ein „Hexen“-Sandwich für 3,40 €, fand ich voll ok.

 

Zurück am Flugplatz das Fahrrad abgegeben, bedankt und mich dann auf den Weg zu meiner Piper gemacht. 600 Mitglieder hat der Platz, alles nur ein Verein und größtenteils Segelflieger. Ziemlich beeindruckend. Es war schon echt heiß. Das Cockpit hatte gefühlte 40 Grad. Schnell den Motor an, dann wurde es auch schon ein bisschen erträglicher. Beim Start passierte mir allerdings ein ziemlich blöder Fehler. Ich nahm beim Start das Gas ein wenig raus - keine Ahnung warum - hatte zum Glück aber doch noch genug Fahrt und Zeit, um das Gas wieder reinzuschieben und abzuheben.

Nächster Kurs Richtung Koblenz (EDRK). Der Flug verlief relativ ruhig, die Landschaft hier ist wunderschön. Der Flugplatz Koblenz-Winningen liegt auf einem Hügel, umgeben von Weinbergen und am Fuß fließt der Rhein entlang. Die Polizei und eine Werft sind ebenfalls dort stationiert. Die Landung war perfekt, nur ein bisschen holprig. Beim Tanken musste ich eine Weile warten, da vor mir eine andere Maschine dran war. Stau an der Tankstelle hört sich lustig an. Das Tanken war für mich spannend, da ich das erste Mal mit der Piper an einem anderen Flugplatz tankte. Ich stand zwar erst einmal fast 5 min vor der Tankstelle, um herauszufinden wie das Ganze funktioniert. Die Anleitung war auch sehr bescheiden und wieder einmal erfüllte ich das Klischee „kleines blondes Mädchen“.

Doch dann machte die Zapfsäule plötzlich ein Geräusch und funktionierte. Meinen Flieger in Parkposition gerollt, dann zum Tower hoch spaziert und eine junge hübsche Frau dort oben angetroffen. Sie war sehr lieb. Der Aufbau meines Zelts dauerte auch länger als gedacht, da ich es seit einem Jahr nicht mehr ausgepackt hatte und erstmal wieder herausfinden musste, wie es funktioniert. Habe dann von zwei sehr netten und lustigen Piloten aus Bonn Besuch bekommen. Wir redeten viel und ich bekam ein nettes Lob, dass es sehr mutig sei, was ich hier machte. Mich hat das wirklich sehr glücklich gemacht. Ein Jet von der Bundeswehr flog gerade über den Platz und winkte mit den Flächen. Das war doch Mal eine Begrüßung!

17:00 Uhr: Was fange ich mit dem Tag noch an? Meine erste Idee war, an den Weinbergen entlang zu schlendern. Das tat ich dann auch. Anschließend fuhr ich mit dem Taxi nach Koblenz, um mir auf Empfehlung meines Vaters das Deutsche Eck anzuschauen. Das Wetter war herrlich, zwar sehr warm, aber keine einzige Wolke am Himmel. Die Taxifahrt war ziemlich einschläfern, denn der Fahrer redete viel, mehr als ich und das kommt wirklich nicht oft vor. Aber er brachte mich direkt zum Deutschen Eck. Dort angekommen, erkundete ich erstmal alles. Beim Deutschen Eck fließt die Mosel und der Rhein zusammen, aber warum es das Deutsche Eck heißt, konnte ich nicht herausfinden.

Danach schlenderte ich gemütlich an der Promenade entlang. Die Sonne stand schon tief und es war eine richtig schöne Atmosphäre. Ich nutzte die freien Minuten, um mit meinen Freunden in Salzgitter-Schäferstuhl zu telefonieren und nachzufragen, ob jemand am Mittwoch da wäre. Lars und seine Freundin wollten auf jeden Fall da sein. Koblenz hat übrigens auch eine schöne Altstadt, klein und recht überschaubar.

Das Schönste ist, sich einfach treiben zu lassen, egal, wo es einen gerade hinzieht. In einer Eisdiele, die mir gut gefiel, aß ich dann das günstigste Eis seit langem. Zwei Kugeln für 1 €! Kokosnuss und Erdbeere. Das Eis war auch echt gut, dafür, dass es so günstig war. Wahnsinn, wieviel ich in der ganzen Zeit schon gelaufen war. An der Mosel entlang bis zum Café Einstein.

Dort ließ ich mich über die lokalen Weine beraten. Ein Riesling halbtrocken aus Koblenz. Ich muss schon sagen, der schmeckte mir echt gut. 0,2 L Wein, in der Hitze nach einem anstrengenden Tag, da ging es mir richtig gut.

Bei der Rückfahrt zum Flugplatz redete und redete der Taxifahrer von Gott und der Welt. Am Platz kam ich dann um 20:40 Uhr an. Um 21:00 Uhr würde der Platz schließen. Gutes Timing. So konnte ich noch schnell unter die Dusche springen, was ziemlich nötig war. Die Sanitäranlagen sind übrigens top, auch wenn ich bei den „Männern“ duschen musste. Jetzt saß ich auf der Fläche meiner Piper, eingemummelt in einer Decke und ein Buch in der Hand bei einem wunderschönen Sonnenuntergang. Die erste Nacht einer spannenden Reise. Ich war aufgeregt und glücklich zugleich. Für morgen war der Flug Richtung Nordhorn geplant. Das Wetter schien noch gut zu sein. Kurz vorm schlafen gehen landete noch ein Hubschrauber namens Dauphin von den Johannitern. Die kannte ich aus dem Fernsehen und er ist der einzige Hubschrauber in Deutschland, der Patienten quer transportieren kann. Natürlich besuchte ich die Jungs und alle waren echt gut drauf. Doch dann war es echt Zeit fürs Bettchen, musste für morgen ja wieder fit sein.

Dienstag, 18.06.2019

Heute war ein wundervoller Tag. Punkt 07:00 Uhr stand ich auf. Es ist und bleibt einfach einer der schönsten Momente, wenn du aus deinem Zelt krabbelst, die Sonnenstrahlen dich kitzeln und der Morgen so langsam beginnt. Du drehst dich um, siehst Dein Flugzeug, das nur dir gehört und niemanden anderen. Das Wetter ist hervorragend! Als erstes räumte ich mein ganzes Zeug zurück in mein Piperchen. Dabei bekam ich Besuch. Der Flugplatzwerter von gestern Abend brachte mir tatsächlich 2 Semmeln. Wie lieb von ihm! Habe mich bedankt und gleich mal auf der Tragfläche gefrühstückt. So einen Luxus hatte ich letztes Jahr mit meiner G109b nicht. Müsli mit frischer Milch, Orangensaft und dazu noch ein Schokocroissant.

Waschen und Anziehen, zum Tower hoch mich verabschieden und im Flugvorbereitungsraum auf den netten Engländer/Franzosen getroffen, dem ich gestern noch begegnet bin. Er war mit seiner Frau da, kam aus England und wollte weiter nach Frankreich fliegen. Heute sollte es weiter nach Norderney gehen mit einem Zwischenstopp in Nordhorn (EDWN). Die Route war interessant, die ich geplant hatte. Sie ging direkt durch den Flughafen Dortmund und an Münster vorbei. Alles jedoch frei von Kontrollzonen, da ich mir eine Höhe gesucht hatte, in der ich ohne Freigabe fliegen durfte, nämlich im Luftraum E. Das Wetter war gut und zur Sicherheit telefonierte ich mit meinem guten Freund, um mir eine 2. Meinung einzuholen. Alles sei gut geplant, ich sollte vielleicht beim Queren des Dortmunder Flughafens den Tower rufen, aber das würde ich schon hinbekommen. Mit FIS war ich sowieso dann in Kontakt. Um 09:30 Uhr startete ich. 1,25 Stunden betrug meine Flugzeit nach EDWN. Es ist immer wieder ein so großartiges Gefühl mit der Piper Arrow zu starten. Sie hat richtig Power. Ich ganz allein, das Flugzeug randvoll mit Gepäck – einfach ein tolles Gefühl. Auf FIS war alles sehr entspannt. Sie begleiteten mich bis Nordhorn. Einen Frequenzwechsel musste ich nicht machen. Es war wirklich ein sehr angenehmer Flug; auch deshalb, weil die EDR bei Nordhorn nicht aktiv war. In Nordhorn angekommen, breitete sich ein so schönes Gefühl aus - dieser vertraute Flugplatz – an dem ich viel erlebt hatte. Ein kleines Zuhause ist es für mich schon geworden. Dort angekommen, getankt und mit Sebi und Horst im Vereinsheim gequatscht und natürlich das Wetter beobachtet, da für nachmittags Gewitter gemeldet waren. Leider war nichts los… kein Wunder war ja auch heiß und Dienstag unter der Woche. Nach ca. 1 Stunde ging es weiter nach Norderney, um dem Gewitter frühzeitig noch davonzufliegen.

Bis Emden war ich wieder auf FIS, danach meldete ich mich rechtzeitig auf Norderney an. Dreimal angerufen - keiner antwortete. Auf FIS zurückgegangen und mein Problem geschildert. Anscheinend war jemand in EDWY, da FIS angerufen hatte. Na gut, ich flog näher an den Platz und probierte nochmals mein Glück und siehe da, ich bekam tatsächlich Antwort. Der Anflug verlief super relaxed, da dort so gut wie nichts los war. Ich war ich glücklich und stolz zugleich. Allein mit der Piper ganz weit nach Norddeutschland auf die Inseln zu fliegen - über Wasser ist schon ein bisschen komisch - doch man sagt mir immer: „Der Motor weiß nicht, dass er über Wasser ist“ und das beruhigt einen schon ein bisschen. Auf Norderney ist es einfach noch Natur pur. Gelandet und zum Parkplatz gerollt. Unglaublich viele Vögel waren zur Begrüßung da. Abgestellt und hoch zum Tower.

Der Mann war echt cool drauf, zudem hatte er, wie ein echter Norddeutscher, einen ziemlich starken Dialekt drauf. Da ich eine Nacht bleiben wollte durfte ich hinten in Verlängerung der Bahn in der nähe des Campingplatzes parken. Leider war es ein bisschen schwierig, da der Bauer gerade mähte und ich deshalb nur ganz vorne am Taxiway parken konnte. Naja, was soll´s. Würde schon so passen. Auf Empfehlung des Towers ging ich dann zu dem kleinen Campingplatz, der tatsächlich nur um die Ecke lag und noch dazu einfach schön war. Der Leuchtturm war auch gleich um die Ecke.

Der Campingplatz wird von einem älteren Ehepaar betrieben, von dem gerade aber keiner da war. Ich begegnete dort einer jungen Frau, die mir sagte, ich solle später nochmal kommen. Also machte ich mich mit Flipflops, Rucksack und Handtuch auf dem Weg zum Strand. 25 min wieder zu Fuß. Ich hätte mir lieber ein Fahrrad ausgeliehen, aber das konnte ich später immer noch. Kurzerhand entschied ich mich dann barfuß zu laufen, da ich durch die Flipflops Blasen bekommen hatte. Kein Wunder bei 3 €! Am Strand angekommen, konnte ich es erst gar nicht glauben, dass ich es tatsächlich geschafft hatte. Mann, war ich glücklich! Und wie meine Mutter, konnte ich nicht aufhören Muscheln zu sammeln. Ich suchte mir ein schönes Plätzchen, hörte Musik und beobachtete einfach nur die Leute um mich herum.

Ich glaube es vergingen 2 Stunden bis ich mich wieder auf dem Weg zum Campingplatz machte. Dort klingelte ich dann an dem Haus des älteren Ehepaares. Zuerst öffnete mir eine Frau die Tür, die war schon ok, aber wirklich gastfreundschaftlich auch wieder nicht. Da ich aber noch ein paar Sachen vergessen hatte nachzufragen, klingelte ich nochmal und dann öffnete mir ein Mann die Tür. Er war genau das Gegenteil und lieh mir sogar ein Fahrrad. Alles zusammen hat mich tatsächlich nur 20 € gekostet. Mit dem Fahrrad konnte ich dann ganz entspannt rumfahren, auch wenn mich die Gangschaltung fast in den Wahnsinn getrieben hat, so war es doch ganz nett. Ich fuhr noch zu einem anderen Strand. Da das hier ja eine Insel ist und die Restaurants nicht so lange offen haben, musste ich leider schon um 18:00 Uhr zurück, um am Flugplatzrestaurant noch eine Kleinigkeit essen zu können. Ein Panini mit Hähnchen gabs - war sehr lecker - aber leider nicht allzu groß. An der Terrasse unten waren viele lila Blumen, an denen sich Tausende von Schmetterlingen aufhielten. Das war eine wunderschöne Atmosphäre und nett anzusehen.

Das Meer, die Flugzeuge, das Vogelgezwitscher - einfach wundervoll. Nach einer Weile entschied ich mich dann, wieder zum Campingplatz zurückzufahren, um bei der angenehmen Temperatur mein Zelt aufzubauen und mein Piperchen zu putzen. Anschließend hatte ich die schnellste Dusche meines Lebens. Ich hatte mir von dem Mann ein Duschchip gekauft, um warm duschen zu können. Mir wurde aber nicht gesagt, dass 1 Chip nur 3 min lang ist. Ich musste mich noch nie so beim Duschen beeilen. Aber ich habe es hinbekommen. Ach ja, noch als Bemerkung, dieser Campingplatz wurde ausschließlich nur von Rentnern besucht, die in ihrer Wohnwagensiedlung ihre Kaffeekränzchen abhielten. Nur eine junge Familie war am Zeltplatz. Der Mann half mir dann auch zusammen mit seinem kleinen Sohn mein Flugzeug zu verzurren. Im Zelt plante ich dann noch lange meinen Flug. Das Wetter würde ab Mittag umschwenken und Gewitter und Regen mit sich bringen. Ich wollte gerne noch heil in Rügen ankommen. Ich beschloss kurz vor Sonnenuntergang doch noch zur Piper zu gehen. Eine wunderschöne Gegend und Kaninchen, wo man auch hinsieht, überall. Totmüde mummelte ich mich endlich in meinem Schlafsack, morgen würde ein spannender Tag und ich musste schon um 06:00 Uhr aufstehen.

Mittwoch, 19.06.2019

Der Wecker klingelte um Punkt 06:00 Uhr, doch ich war so müde, dass ich erst um halb 7 aufstand und mich frisch machte. Ich baute mein Zelt ab und verstaute alles in meinem Flugzeug. Der Flugplatz auf Norderney öffnete erst um 08:00 Uhr. Ich war aber schon um halb 8 mit allem fertig. Also investierte ich die restliche halbe Stunde noch meine Flugplanung.

Das Wetter sollte auf Norderney gegen Mittag schlechter werden und in Salzgitter gegen frühen Nachmittag Gewitter aufziehen. Um auf Nummer sicher zu gehen, telefonierte ich vor meinem Abflug noch einmal mit dem Deutschen Wetter Dienst (DWD). Dieser bestätigte mir, ich müsste mir doch bis frühen Nachmittag keine Gedanken machen sicher auf Rügen landen zu können. Pünktlich um 08:00 Uhr kam dann auch der Flugleiter und sperrte alles auf. Gezahlt, gequatscht und 80ct Trinkgeld wollte er leider nicht haben. Dafür solle ich mir auf Rügen ein Eis kaufen. Der Typ war echt eine coole Socke. Start 08:30 Uhr, Kurs Richtung Salzgitter, wo mich meine guten alten Freunde schon erwarteten. Autopilot an und erstmal gefrühstückt, wie jeden Morgen gab es bei mir ein Schokocroissant und einen Orangensaft. Hin und wieder mal so Power-Kügelchen von Dr. Oetker; die waren echt super lecker, natürlich Vanille oder Schoko!

Wieder einmal bei FIS gemeldet - war aber relativ ruhig auf der Frequenz - die meisten Flugzeuge, die sich dort gemeldet hatten, wollten alle nach Norderney, wo ich gerade herkam. Kein Wunder, bei so einer wunderschönen Insel und bei so einem traumhaften Wetter. Die Sicht war ok bei ungefähr 20 Kilometer, die Wolkenbasis bei rund 4000ft. Wind war mittelmäßig mit 10 kt. Umso näher ich Salzgitter kam, umso schöner wurde die Gegend unter mir. Wie bei jedem Flug hatte ich immer im Hinterkopf, was, wenn der Motor auf einmal ausfällt? Wo kann ich notlanden? Zur Navigation und Überwachung der ganzen Instrumente gehört auch immer dazu, sich ein Außenlandefeld zu suchen und mit dem Wind zu überlegen, wie würde ich da jetzt reinlanden. Im Norden ist das alles kein Problem, da überall Flachland und Felder sind. Im Süden und im Hügelland schaut das meistens ein bisschen anders aus. In Salzgitter gelandet - die Platzrunde flog ich nicht optimal, da man dort nur in eine Richtung startet und in eine Richtung landet. Erstmal zur Tankstelle gerollt, die alte Dame verbraucht sehr viel Sprit. Von Lars und seiner Freundin begrüßt worden. Der Platz ist einfach wunderschön und wir hatten hier immer eine richtig lustige und vor allem lehrreiche Zeit! 2 Stunden verbrachte ich dort und meine Kammeraden „Wackeldackel“ und „Bommel“ kamen auch noch vorbei. Mei, was haben wir gelacht! Es ist immer wieder schön, sie hier zu besuchen. Dieses Jahr im August ist am Flugplatz eine große Sause, zu der ich meinen besten Freund und mich gleich mal mit der Piper angemeldet habe.

 

 

Um 11:25 Uhr ging es für mich weiter nach Rügen (EDFR), wo ich meine 3. Nacht verbrachte. Der Platz hatte offen, aber windig war es, 20 kt. Wind. Zum Glück nur leicht aus Osten und auf der Nase. Meine Flugzeit betrug 1,75 Stunden. Mein Flugzeug in die Startposition gebracht, mich von allen verabschiedet und wie es der Vorführeffekt will, 3-mal gebraucht, um die Kiste anzuschmeißen. Mittlerweile bekomm ich auch das gut hin. Auf FIS hielt sich alles wieder einmal in Grenzen, mein Piperchen schnurrte auch ganz brav, so konnte ich auch mal die Gegend hier genießen. Ein paar CBs bauten sich vor mir auf, waren aber bei weitem noch nicht bedenklich. Auf Rügen waren alle freundlich und lustig drauf, der Flugleiter meinte zu mir per Funk, nachdem ich ganz brav meinen Gegenanflug und Queranflug gemeldet hatte: „Lass mich raten, jetzt kommt sicher Endanflug“! Mit einem Lachen bestätigte ich ihm seine Meldung und legte eine sehr gute Landung hin, worauf ich gleich nochmal ein Lob bekam. Schon wieder einmal tankte ich meinen Flieger voll, stellte ihn ab, versuchte mich erstmal am Boden wieder zu sammeln und zu organisieren. Man merkt tatsächlich erst nach dem Flug, wenn man wieder am Boden ist, wie fertig man doch eigentlich ist. Die Leute vor Ort rieten mir, ich solle nach Pora fahren, dort gäbe es Campingmöglichkeiten und auch eine Jugendherberge. Am Flugplatzt mietete ich mir für einen Tag einen Opel Corsa. Davor räumte ich mein Flugzeug noch aus, putzte und verzurrte es. Natürlich brauchte ich auch hier mal wieder Hilfe. Robert (so hieß der Flugleiter) half mir auch netterweise und übte mit mir den Knoten, ich erinnere mich nur noch den Spruch: „Am Strand steht eine Palme, die Schlange kommt aus dem Wasser heraus, kriecht einmal um die Palme herum und schwimmt wieder in das Wasser zurück“ und dann würde ein guter einfacher Knoten entstehen. Die Betonung liegt auf „würde“.

Auf ging´s Richtung Prora. Meinen Rucksack stellte ich neben mir auf den Beifahrersitz - keine gute Idee - denn die ersten Kilometer piepte das Auto nur so. Bis ich gecheckte, dass das Auto meinen Rucksack als Baby einschätzte und ich es nicht angeschnallt hatte. Der Weg nach Prora war mühsam. Habe mich dreimal verfahren, um dann zu merken, dass mein Navi auf Radfahrer-Optionen eingestellt war. Am Boden ist meine Navigation um einiges schlechter als in der Luft. An der Jugendherberge angekommen, wirklich groß war und in einem alten DDR-Gebäude untergebracht war, hatte ich sehr großes Glück, denn es gab nur noch ein Zimmer mit einem Stockbett. Das lag im dritten Stock ganz außen, von wo aus ich durch die Bäume direkt aufs Meer sehen konnte. Jetzt bin ich auch im Jugendherbergsclub und habe somit jetzt auch einen Jugendherbergsausweis, der mir noch viele Vorteile verschaffen wird. 65 € zahlte ich für eine Nacht inkl. Frühstück und Dusche auf dem Zimmer. Den Luxus gönnte ich mir jetzt einfach mal.

Schnell brachte ich meine Sachen aufs Zimmer und lieh mir ein Fahrrad. Dieses Fahrrad war um Welten besser, als das auf Norderney, zwar hatte es nur 3 Gänge, aber die funktionierten wenigstens. Der Herr von der Rezeption empfahl mir auf den Baumwipfelpfad entlang zu spazieren. Dieser sei nur ca. 15 min mit dem Fahrrad entfernt von hier und man hätte eine traumhafte Aussicht. Wieder einmal verfuhr ich mich 3-mal, um endlich dorthin zu kommen. 30 min in die falsche Richtung gefahren… Soviel wie ich auf Rügen Rad fuhr, bin ich, glaube ich, mein ganzes Leben noch nicht gefahren. Die schlimmsten Radwege überhaupt habe ich ausprobiert. Quer durch den Wald, mit tiefem Sand und dass mit einem einfachen 3-Gänge-Stadt-Fahrrad. Mann, war ich fertig, als ich endlich am Baumwipfelpfad ankam. Half ja alles nichts, ich war nicht zum Spaß hier, sondern wollte so viel erleben wie nur geht! Ich ergatterte das letzte Ticket vor Schließung und schon ging es los. Die Aussicht von oben war traumhaft. Blauer Himmel soweit das Auge blicken konnte und diese leichte Nachmittagsstimmung. Wunderschön. Da hat sich der Sport echt gelohnt.

Nach einer Weile fuhr ich dann wieder nach Prora zurück und dieses Mal richtig. In Prora fuhr ich Richtung Binz weiter. Das waren vielleicht auch schreckliche Radwege mit Baustellen dazwischen. Irgendwann kam ich dann doch noch an der Promenade an, wo ich eigentlich langfahren wollte. Doch hier herrschte stricktes Fahrradverbot! Nach diesem Tag war mir das aber auch schon egal, zudem vor mir auch ein Mann mit Rad unterwegs war, der kannte sich wahrscheinlich auch nicht aus. Ich bekam immer mehr Hunger und war allmählich echt kaputt, also lies ich mich einfach in das nächstgelegene Restaurant treiben.

Das Restaurant war nett und richtig süß gemacht, an der Promenade ging man seitlich eine keine Treppe herunter zwischen den Häusern war dann noch ein Innenhof. An den Häusern rankten sich Pflanzen in die Höhe, was richtig schön aussah. Ein netter junger Kellner nahm mich im Empfang und bat mir einen Platz an. Schon ein merkwürdiges Gefühl, allein Essen zu gehen, zumal man auch noch richtig nach einer Reisenden aussieht. Haare zusammen, alte Klamotten und ein typischer Reiserucksack. Was soll´s, ich hatte meinen Spaß und einfach nur Hunger. Eigentlich wollte ich was Typisches von hier oben essen - Fisch. Lag aber komplett daneben. Schmeckte aber trotzdem gut, nur ein bisschen wenig gewürzt. Ein Sprite gab es zum Trinken, zum Essen Lachs auf Tomaten-Risotto und Babyspinat. Gezahlt, hoch zum Strand, direkt vor dem Restaurant. Mein Handtuch ausgebreitet, Kopfhörer rein, einfach nur dagesessen, entspannt und die Freiheit genossen. Es ist so schön allein. Man kann tun und lassen was man will. Doch leider konnte ich nicht lange sitzt, zumal mein Handy leer ging und ich den ganzen Flug für morgen noch planen musste. Der Rückweg war entspannter, weil ich mich jetzt besser auskannte und auf richtigen Radwegen fahren konnte. 20 min später war ich auch schon wieder in meinem Zimmer. Meine ursprüngliche Route sollte nach Welzow führen, doch als ich mir das alles nochmals genauer anschaute, dachte ich mir, was will ich eigentlich da. Also, was war in der Nähe? Bautzen. Also plante ich den Flug nach Bautzen um. Ich war echt schon sehr müde, nach so einem Tag. Kurz vor Sunset raffte ich mich nochmal auf und ging runter zu dem Strand der Jugendherberge. Dort setzte ich mich wieder in den Sand um den Sonnenuntergang zu genießen. Kühl wurde es dann schon, doch man muss sagen, dass ich schon eine ziemliche Frostbeule bin. Heute rief ich endlich mal die Familie an und mich erkundigt mich, wie es denn allen ginge. Danach war es auch schon 22:00 Uhr. Also wieder ab aufs Zimmer und schnell noch geduscht. Das war schön, einfach in der warmen Dusche zu stehen, warmes Wasser und nicht ein Coin nach einander einzuwerfen zu müssen. Ohne dass jemand anderes drängelt. Einfach duschen. Meinen Flug kurz fertig geplant und dann auch schon ab ins Bettchen.

Donnerstag 20.06.2019

Die Nacht war ziemlich unruhig und ich wurde schon früh von den Sonnenstrahlen geweckt. Doch als ich aus dem Festem sah, konnte ich das Meer schon sehen. Das entschädigte mich für alles. Bis jetzt hatte ich immer Glück mit dem Wetter gehabt. Ich flog quasi dem schlechten Wetter immer davon, denn immer wo ich bis jetzt war, hat es ein paar Stunden später geregnet. Jetzt schien jedoch auch mich das schlechte Wetter einzuholen. Ich machte mich frisch und spazierte zum Frühstücken. Wie nicht anders vorherzusehen, schaffte ich es, mich auch auf diesem Weg zu verlaufen. Netterweise half mir ein Mitarbeiter und lenkte mich durch die Küche in den Speisesaal. Es war schon einiges los. Vor allem größere Gruppen von Jugendlichen waren dort, aber auch älter Pärchen. Ein bunt gemischtes Publikum. Heute hatte ich das erste richtige Frühstück seit Beginn meiner Reise und ich muss sagen, auch wenn es einfach war, es war so unglaublich lecker! Eine Semmel belegt mit Wurst und Käse, einen zu wässrigen Orangensaft und eine Wassermelone und schon war ich satt. Danach wieder hoch aufs Zimmer Sachen packen, ausgecheckt und um punkt 09:00 Uhr war ich wieder am Flugplatz Rügen (EDFR). Auf der Fahrt tankte ich noch für 8 €! Billigste Tankfüllung seit langem.

Am Flugplatz mal wieder gequatscht, mein Flugzeug eingeräumt, Flug und Wetter nochmal durchgegangen und - es sah echt nicht gut aus. Auf Rügen war traumhaftes Wetter, doch bei Berlin war eine große Regenfront. Um mal wieder eine Meinung vom Profi zu hören, telefonierte ich mit dem DWD. Dieser riet mir, ich solle vor 11:00 Uhr nicht starten, da ich sonst nur im Regen fliegen würde. Später würden nur lokale Gewitter/Regenschauer auftauchen, die aber leicht zu umfliegen seien. Das Wetter war so schön auf Rügen und so empfahl man mir, die Insel doch noch ein bisschen mit dem Flugzeug zu erkunden, die Kreidefelsen würden in der Morgensonne wunderschön aussehen. Ich machte es mir also bis 09:30 Uhr in einer gemütlichen bequem. Um 10:30 ging´s dann los. Bevor ich meinen Motor anlassen konnte, brachte mir Robert, der Flugleiter noch Gummibärchen als Nervennahrung und meinte nur, er hat echt Respekt davor, das ich das allein mache. Das waren super nette Leute auf Rügen! Aber ehrlich gesagt, war ich schon ziemlich müde. Kein Wunder nach dem sportlichen Tag gestern. Gestartet und auf 3000 ft aufgestiegen. Einmal rundherum um die ganze Insel - ein Traum! So ein wunderschönes Wetter und ich allein mit meinem Piperchen. Ich erlaubte mir, auf dem kleinen Rundflug mal zu entspannen und hörte mit meinen Kopfhörern ein wenig Musik. Es war einfach herrlich. Obwohl es schon ein komisches Gefühl ist über Wasser zu fliegen bzw. keine Außenlandemöglichkeit zu haben... Der Motor schnurrte brav vor sich hin, also war alles gut. An den Kreidefelsen entlang der Strände geflogen und ein bisschen mit den Wolken gespielt.

Kurz vor Sellin nahm ich Kurs auf Bautzen und meldete mich wieder bei FIS an. Das Wetter war gut, nur als ich immer näher an Berlin kam, gab es hin und wieder kleine Regenschauer. Aber ich hatte Glück, die schlimmsten Regenschauer waen schon weitergezogen und der DWD hatte Recht behalten. Als ich Berlin in der Ferne vor mir sah, war ich so unglaublich stolz auf mich! Berlin - ich allein mit der Piper! Einfach Klasse! Vor lauter Euphorie und Müdigkeit und mangelnder Flugplanung am Abend, hatte ich leider den Luftraum C im 2500ft Sektor in 3000ft geschnitten. Darauf wies mich der FIS Lotse aber erst 10 min später hin: „DEBIF - sie befinden sich im Luftraum C von Berlin im 2500ft Sektor. Ich empfehle Ihnen, unter 2500ft zu sinken.“ Kurz dazu: Um in einem Luftraum wie C fliegen zu dürfen, braucht man eine Freigabe vom Controller, sonst ist es eine Luftraumverletzung, die ordentliches Strafgeld kosten kann. Gas weg, Nase runter und auf 2000ft gesunken. Mann, wie konnte mir das nur passieren! Ich war echt verärgert... Aber erst einmal egal, fliege das Flugzeug, bringe es heil runter und dann kannst du dir darüber den Kopf zerbrechen. Höhe gehalten und weiter den Kurs nach Bautzen (EDAB) genommen. Mich in Bautzen angemeldet und ich musste allen Ernstes Verzögern, weil ein IFR Flieger gerade im langen, ich wiederhole, im langen Endanflug war. Ich hätte ungelogen 3x landen können. Hilft alles nichts, unten angekommen war ich einfach nur fertig. Zum Schluss hatte ich mich auch noch verfahren, da ich mich auf dem Platz nicht auskannte. Ich musste lustigerweise auch noch an der DFS vorbei, die dort stationiert war. Die Jungs hatten echt eine amüsante Show. Dann trotzdem irgendwo am Rand geparkt. Ich hatte zwar eine Aerodrome Chart auf dem IPad, konnte sie jedoch leider nicht lesen. Zum Glück kam ein gelbes Flugplatzauto zu mir, der Fahrer war echt lieb. Ihm schüttete ich gleich mal mein Herz aus, so fertig war ich. Halb so schlimm, meinte er. Man zahlt seine Strafe und gut ist es. Ich holte das Nötigste aus meinem Flugzeug und dann gingen wir zum Tower. Dort gewartet und später zur Tankstelle gerollt, getankt und dann wieder zum Tower hoch. Man muss sagen Bautzen ist ein unglaublich schöner Platz, aber so groß, selbst die kleinen Businessjets fallen nicht auf. Auf den Tower war ein wirklich netter Mann, der mir dann ein Hotel bzw. eine Jugendherberge mitten in Bautzen empfahl. Was für ein Glück, denn auf Rügen hatte ich mich für Jugendherbergen registrieren lassen und hier konnte ich das Angebot gleich nutzen! 20 € die Nacht mitten in Bautzen und Frühstück dazu! Ich lernte einen Mann kennen - ich habe es echt nicht mit Namen - mit dem quatschte ich ziemlich viel über Flugzeuge. Er hatte eine eigene Charterfirma. Cessna 330 zweimotorig, das hat was! Er bot mir an, mir zu helfen, falls etwas vom Luftamt bzgl. der Luftraumverletzung kommen sollte. Richtig liebt.

Meine Sachen für eine Nacht gepackt und dann mit dem Taxi nach Bautzen gefahren. Manche Taxifahrer reden ja so viel, das habe ich in Koblenz schon mitbekommen. Wäre eigentlich auch ein guter Job für mich. In der Jugendherberge eingecheckt. Die ist interessanterweise in einem Turm untergebracht. Wie mir der Taxifahrer erzählte, gibt es in Bautzen sehr viele Türme. Das kann ich jetzt nur bestätigen. Ich hatte ein Zweibett-Zimmer für mich allein mit einer schönen Aussicht auf den Turm. Dusche und Toilette waren dieses Mal nicht dabei, aber das war nicht schlimm. Meine Sachen abgelegt und ab in die Altstadt. Das Zentrum war nicht sehr groß, also ideal für mich in kurzer Zeit alles zu erkunden. Die Altstadt ist wirklich sehr schön. Zuerst besuchte ich eine große Kirche mit der Besonderheit, dass sich evangelische und katholische Christen eine Kirche teilen. Sie war schlicht und einfach gehalten, was mir ganz gut gefiel.

Danach stieß ich auf eine Touristengruppe, der ich mich unauffällig anschloß und somit noch sehr schöne Sehenswürdigkeiten zu sehen bekam. Zuerst war es warm und die Sonne schien, dann verdunkelte sich der Himmel und während der Taxifahrt ging ein kleiner Regenschauer nieder. Aber plötzlich zog der Himmel wieder auf. Ich hatte einen Stadtplan dabei, der sehr einfach gehalten war und den ich von der Jugendherberge bekommen hatte. Ich konnte sie lesen und trotz meiner schlechten Navigation am Boden, hatte ich mich nicht ein einziges Mal verlaufen.

Einmal zum Marktplatz und zur Touristeninfo, um mich nach einem guten Restaurant zu erkundigen. Sie empfahlen mir den Alten Bierhof, der war wirklich sehr schön mit einem kleinen Biergarten. Von dort hatte man eine schöne Sicht, schade war nur, dass es keine einheimischen Gerichte gab. Wie ich später erfuhr, aber leider zu spät, ist Bautzen für seinen Senf berühmt. Ach ja, die Spree, die auch durch Berlin fließt, windet sich auch hier durch die Landschaft. Ein bisschen Bildung muss schon auch sein! Das Essen war gut und das Hausbier war auch in Ordnung.

Freitag, 21.06.2019

Um 08:00 Uhr aufgestanden und fertig gemacht, habe geschlafen wie ein Stein. Beim Frühstück war nicht viel los in der kleinen Jugendherberge. Es war schön mal wieder eine deftige Semmel mit Käse und Wurst zu essen. Das Wetter sah allerdings alles andere als akzeptabel aus. Bewölkt... und auf meiner Strecke nach Burg Feuerstein nur Regen. Vor allem im Erzgebirge sah es sehr schlecht aus. Ausgecheckt. Die nette Dame am Empfang war leider echt schwer zu verstehen mit ihrem starken sächsischen Dialekt und aus Leipzig kam sie auch noch. Mal wieder hatte ich einen Taxifahrer, der nur redete. Ein paar Sachen waren interessant, die er über den Flugplatz erzählt hatte, aber sonst vergaß ich alles gleich wieder. Am Flugplatz angekommen kümmerte ich mich erstmal um mein Schätzchen. Alles eingeräumt, verstaut und fertig gemacht. Die alte Dame braucht so viel Öl - der Wahnsinn - insgesamt hatte ich 10 Flaschen Öl dabei und 5 hatte ich bis jetzt schon verbraucht. Im Tower war wieder ein sehr netter Mann, der mit mir das Wetter checkte und ich noch eine Zeit lang ratschte. Es war bewölkt und die Basis war bei ca. 3000 ft. Nach GAVOR und meiner Meinung sollte es um 11:00 Uhr gehen. Im Nachhinein wäre es besser gewesen mit dem DWD zu telefonieren. Warum ich das nicht gemacht habe, keine Ahnung. Gestartet um 11:00 Uhr Kurs aufgenommen und mich bei FIS wieder angemeldet. Bis jetzt war das Wetter noch in Ordnung, aber je näher ich dem Erzgebirge kam, umso schlechter wurde es. 1500 ft. noch betrug die Wolkenuntergrenze. Ich versuchte, so dicht wie es nur ging an den Wolken zu bleiben, um noch genügend Höhe zu haben. Ein Fehler, da ich das Wetter vor mir nicht mehr sehen konnte und die Sicht an den Wolken immer schlechter ist, mindestens 100 m sollte man Abstand halten. Die Wolken wurden dichter, niedriger und das Wetter schlechter, mein iPad meldete Terrain und FIS meinte in meiner Nähe wäre ein konstantes Hindernis in der Luft. Ich leitete einen Kreis ein, geriet in die Wolken und verlor die Orientierung. Ein erfahrener Pilot meinte einmal zu mir: die meisten Unfälle passieren in Schlechtwetterverhältnissen. Die Piloten verlieren die Übersicht in den Wolken und wollen eine Umkehrkurve fliegen; sie stürzen ab, weil sie zu wenig Fahrt haben und nicht auf die Instrumente achten. Dieser Satz klang mir die ganze Zeit in den Ohren, den Daumen dicht vor der Funktaste für einen Hilferuf bei FIS. Fahrt, Fahrt, Fahrt und achte auf deine Instrumente, künstlicher Horizont, Libelle und Fahrtmesser, sagte ich mir ständig. Ich machte den Autopilot an und er brachte mich wieder auf Kurs. Eine Scheiß-Situation war das, aber Ruhe bewahren, am besten irgendwo landen und auf besseres Wetter warten. Ich suchte mir einen Flugplatz, auf dem ich landen konnte, das war und ist die beste Entscheidung.

Zum Glück plane ich meine Flüge immer so, dass ungefähr auf der Hälfte der Streck ein Flugplatz ist, auf dem ich zur Not runter könnte und ich bin mehr als dankbar, dass dieser Flugplatz da war. Nach dem ich meinen Kurs wieder hatte, meldete ich mich bei FIS und fragte nach, ob der Flugplatz Grossrückerswalde (EDAG) offen wäre. Als Antwort kam nur, sie wüssten es nicht und ob es ein Problem gäbe. Ich schilderte FIS, dass das Wetter immer schlechter würde und ich gerne zwischenlanden würde. FIS bestätigte mir meine Schwierigkeiten mit dem Wetter und gab mir die Frequenz von Grossrückerswalde. Falls dort keiner wäre, sollte ich mich bei FIS nochmal melden. 3xMal in Grossrückerswalde reingefunkt und keine Antwort bekommen, wieder zu FIS und man erlaubte mir dort eine Sicherheitslandung zu machen. Ich sollte mich aber sofort nach der Landung telefonisch melden. Er gab mir die Telefonnummer und wünschte mir viel Glück. Auf meinem iPad lud ich mir schnell die Charts für den Platz runter. 850m Gras, das würde gehen. Ich hatte Westwind, also war die 26 aktiv. Ich überflog den Platz, um einen Eindruck zu bekommen und versuchte die Platzrunde so gut wie es ging abzufliegen. Die Landung war etwas holprig, die Piste war in keinem guten Zustand; hochgerollt und mich an den Rand gestellt. Puh, ein Stein fiel mir vom Herzen, ich war Heil unten.

Das erste was ich machte, war bei FIS anzurufen. Der Mann am anderen Telefon freute sich offensichtlich, dass alles gut gegangen war und bat mich, mich zu melden, wenn ich Hilfe benötigte. Der Platz war wie ausgestorben, nur eine quietsche Gelbe Antonow stand hinter dem Zaun im Freien. Mann, war die cool, so ein Ding will ich auch mal fliegen. Ich googelte den Flugplatz und fand eine Telefonnummer. Zum Glück ging jemand ran und meinte, er wäre am Platz ich sollte mal hinter kommen. Ein netter Herr um die 40 war noch in der Werkstatt. Ich wurde sehr gastfreundlich empfangen. Auf der Terrasse des Clubheims aß ich mein Müsli für neue Energie und chillte ein wenig. Es war echt ein toller Platz. Zwar einfach, aber in einem Top Zustand. Viele polnische Flugzeuge hatten sie und der Mann war ein genauso großer Fan von der G109b wie ich! Später durfte ich dann noch einen Blick in die Antonow werfen. Das bereitete mir große Freude! Er führte mich auch noch über den ganzen Flugplatz. Das Wetter wurde besser und nach 2 Stunden beschloss ich wieder zu starten. 5 € Landegebühr und 5 € für die nette Gastfreundschaft, hat mich das alles gekostet. Das war es mir aber wert. Mittlerweile waren auch noch andere Leute gekommen, die dann meinen Start beobachteten.

Der Start war gut und ich bin trotz ansteigender Piste auf Gras gut weggekommen. Ich verabschiedete mich per Funk, nahm wieder meinen Kurs auf Burg Feuerstein (EDQE) auf und meldete mich bei FIS. Der Mann war ganz froh, dass ich wieder da war und fragte nach, ob das Wetter jetzt besser wäre, was ich ihm glücklich bestätigte. Ein paar kleine Regenschauer waren noch vereinzelt unterwegs, aber alle neben mir. Je näher ich Feuerstein kam, umso besser wurde das Wetter! Sogar richtige Cumulus Wolken bildeten sich! Zur gleichen Zeit fand in Deutschland ein Deutschlandflug vom Daec statt mit 30 oder mehr Flugzeugen. Einer ihrer Ziele war Burg Feuerstein und das ausgerechnet heute. Es war die Hölle los, meine Landung war gut ich und ich rollte zur Abstellfläche. In der letzten Reihe musste ich parken. Spaß über mein Einparken wurde auch noch gemacht, aber da steh ich mittlerweile drüber. Die sollen mir das erstmal nachmachen. Allein so einen Trip zu machen. Trotzdem bekam ich Hilfe beim Umparken. Ich setzte mich erstmal auf den Flügel und atmete tief ein. Wow, war das ein Trip und ich hatte es fast geschafft. Ich war so stolz. Irgendwie konnte ich das alles noch gar nicht realisieren. Ich quatschte mit vielen Leuten und traf meine alten Freunde wieder. Ich bekam sogar ein Zimmer für die Nacht. Morgen nachmittags sollte es nach Hause gehen, aber das Wetter war mal wieder nicht ganz auf meiner Seite. Am Abend nahm ich noch zwei Freunde von hier oben mit, um ihnen endlich einmal ein richtiges Flugzeug zu zeigen. Danach ging ich duschen, richtete mich ein und am Abend gab es am Campingplatz eine Grillparty mit Wein, ganz viel Wein! Aber ich hatte allen Grund zum feiern! Um drei war auch dann für mich Bettruhe angesagt.

Samstag, 22.06.2019

Der nächste Morgen startete richtig lahm, kann man sich ja denken. In München regnete es, hier war es richtig schönes Wetter. Ich telefonierte mit unserem 2. Vorstand und schilderte ihm das Problem, dass ich wahrscheinlich erst morgen nachhause kommen würde bzw. erst nachmittags, da das Wetter echt schlecht war. Nach meinem Erlebnis mit Großrückerswalde entschied ich mich nur noch bei C oder O Codes des GAVORS zu starten. Er verstand das und meinte, ich sollte mir keinen Stress machen, Sicherheit geht vor. Und so machte ich mir noch einen entspannten Tag in Burg Feuerstein. Auch bei uns fing es am Nachmittag an zu regnen. So widmete ich mich meiner Piper, die einen Hallenplatz in der Werkstatt bekommen hatte, putze sie, räumte alles aus, sortierte etc. Am Abend gingen wir alle essen. Ich nahm mir vor, nicht zu späte ins Bett zu gehen, da es ja morgen nachhause gehen würde und ich fit sein wollte. Der Sonnenuntergang war trotzdem noch sehr schön anzusehen.

Sonntag, 23.06.2019

Der Plan war um 07:00 Uhr zu starten und um 08:00 Uhr in Schleißheim zu sein, da die Piper um 09:00 Uhr schon wieder reserviert war, zudem war noch eine Prüfung auf dem Vogel. Ich telefonierte mit dem DWD und dieser meinte es würde erst gegen frühen Nachmittag gehen. Also wartete ich und wartete bis das Wetter besser wurde. Nachdem das Wetter auch mir endlich zusagte, sagte ich noch allen Tschüss und startete um 15:30 Uhr, jetzt war ich an einem Punkt angekommen, wo ich einfach nur noch heil nachhause kommen wollte. Ich war echt müde, riss mich aber zusammen, wollte keine Fehler zu machen. Den Nürnberger Flughafen durfte ich ohne Schwierigkeiten queren. Bei München standen überall Schauer, nur bei meinem Flugplatz nicht. Wäre ich auf die 26 gelandet, wäre ich in einen Schauer gekommen. Ich hatte so ein Glück. Gelandet, zum Hanger gerollt, dort wartete ein Fliegerkamerad schon auf mich, der jetzt eine Prüfung auf der Piper hatte. Ich war das glücklichste Mädchen auf der ganzen Welt! Ich habe es tatsächlich geschafft! Ganz allein um Deutschland rumzufliegen! Ja, ich war sehr glücklich und stolz zugleich! Ein großer Stein fiel mir vom Herzen und die Anspannung ließ allmählich nach. Flugzeug ausräumen, übergeben und der beliebte Papierkram. Alles in mein Auto verladen und ab nach Hause. Ist schon ein wunderschönes, aber auch komisches Gefühl zuhause wieder anzukommen, nach so einem Abendteuer. Es brauchte viel Zeit bis ich alles wieder aufgeräumt, sortiert und mich selbst organisiert hatte. Am Abend bekam ich besuch von meinem Freund inkl. Pizza. Es war noch ein schöner Abend, aber ich war fix und fertig.

Jetzt beginnt wieder der langweilige Alltag. Aber wer weiß, wann das nächste Abenteuer kommt! Es war eine unglaubliche Reise, nicht zu vergleichen mit der Reise letztes Jahr mit der G109b. Diese Reise war anders, anspruchsvoller, professioneller und vor allem anstrengender. Mit einer Piper allein, so eine Tour ist nicht einfach. Ich bin heilfroh, dass außer der Luftraumverletzung nichts passiert ist. Ich habe so viel gelernt, FIS ist immer für dich da, eine zweite Meinung von dem DWD ist immer am besten und eine gute Flugvorbereitung ist alles. 11 Stunden bin ich ungefähr in 7 Tagen geflogen. Ich bin stolz auf mich und habe vor allem ein großes Stück Selbstvertrauen gewonnen. Am Anfang hatte ich Zweifel, aber zum Schluss hat sich alles zum Besten bewendet und ich bereue keine einzige Minute. Nächstes Jahr geht’s ins Ausland. Neue Ziele - neue Abendteuer. Ich bin gespannt und kann jedem nur so einen Trip ans Herz legen. Allein zu fliegen wie ein freier Vogel, mit seinem Flugzeug. Das ist ein Traum, den man wirklich wahr werden lassen kann.