Das Sisteron-Tagebuch
Sonntag, 14. März 2010
Wie versprochen startet heute das Sisteron-Tagebuch. Ganz gegen unsere Gewohnheit haben wir erst um 0800 Uhr mit dem aufbauen der Flugzeuge begonnen, ab morgen gilt natürlich wieder 0700 Uhr!
Nach dem täglichen Briefing um 1000 Uhr wurden die Flugzeuge noch flugfertig gemacht. Vorhergesagt war "bonnes thermique", die muss sich allerdings woanders rumgetrieben haben, die VV startete als erste mit Hans und liess sich bis zum Trainon schleppen, nicht ganz billig, aber die erklommene Höhe erwies sich als gerade ausreichend, um nach langem Gleitflug in völlig ruhiger Luft schließlich über den Hügeln südöstlich von La Motte in 1100 m endlich den ersten Bart des Tages zu finden.
Der reichte dann bis auf sagenhafte 1400 m bevor er sanft entschlief. Am Blachère stand der nächste und ging dann schon auf 1600 m. Weiter zum Malaup 1800 m und dann...
Pause, rüber zum Bramefan, kein Steigen, weiter zur Grand Gautière, kein Steigen, rasch zurück zum Blachère wieder hoch auf 1600 m und dann die gleiche Runde noch mal. Arne in der HI gesellt sich dazu, gemeinsam probieren wir es noch mal, aber etwas östlich der Grand Gautière ist wieder Ruhe in der Luft, keiner wagt sich weiter weg als bis zur Tête Grosse.
Fünfeinhalb Stunden vergingen so, wie im Flug, immer wieder der Versuch den Absprung hin zum Parcour zu schaffen, aber leider war das offenbar unmöglich, ohne eine Außenlandung im noch tief verschneiten Seyne zu riskieren, also ließen wir es alle bleiben.
Halt, einer probierte es, zumindestens läuft hier die Gerüchteküche, ein Arcus T, der auch von Sisteron gestartet war hatte wohl das Glück des Tüchtigen und verbrachte einen wunderbaren Tag in Höhen bis zu 5.000 m entlang der italienischen Grenze bis fast nach Aosta, auf dem Rückflug dann noch ein Abstecher bis nach Vinon und Landung kurz vor Sonnenuntergang in Sisteron.
Wenigstens einer hat also diesen Tag voll ausnutzen können. Na morgen wird es ganz bestimmt noch besser und wir werden sehen, wie es dann läuft. Zum eingewöhnen war der Tag gut genug, wir sind wieder alle topfit im hangnahen Fliegen. Die Bilder zeigen, wie diesig es in den niedrigen Höhen war und höher rauf hat es keiner geschafft von uns, außer eben dem einen.
Morgen um die gleiche Zeit melden wir uns wieder, jetzt geht´s zum Pizzaessen ins Le Janus und danach husch in die Heia, damit wir morgen ausgeruht sind, na ja, eine Karaffe Vin rouge wird schon noch getrunken, aber wirklich nur eine!
Also, tschüss bis morgen, von Euerer Sisteron-Crew!
Hier noch eine kleine Bildersammlung des ersten Abends und des heutigen Flugtages:

Günter´s petit Apéritif allemand

Klausi´s Apéritif francais

Michi´s Apéritif allemand

Arne´s Apéritif - Vin rouge

Apéritif? Nix für mich, ich nehm gleich den Hauptgang.

Der "Sous"-Chef Pierre-André freut sich über seine Gäste.
Der Flugtag in Bildern

Begegnung mit einem roten Zugvogel über dem Blachère.

Jede Menge Schnee noch auf der Tête Grosse.

Heute in unerreichbarer Ferne - der Pic de Bure
Montag 15. März 2010
Ein Tag mit vielen Höhen und Tiefen. Das Wetter war, wie versprochen noch besser als gestern. Die VV startete mit Hans natürlich als Nummer 1. Beinahe wäre das in die Hose gegangen. Am l´Hongrie war zwar ein kurzes Zupfen zu verspüren, ausreichend um zum Ausklinken zu motivieren, danach aber war Grabesstille rundum.
Während des Schlepps allerdings war die ASW 22 durch einige Aufwinde durchgeschleppt worden, freilich viel zu tief um auszuklinken.
Jetzt galt es einen dieser Aufwinde wiederzufinden. Und das gelang verblüffend gut. So gut, dass die nachfolgenden Schlepps mit Michi in der MS und Arne in der HI vorzeitig ausklinkten und den gleichen Bart nutzten wie Hans. Arnes Kommentar: "Wie geil ist dass denn!"
Danach ging es zügig weiter zum Blachère und dann zum Malaup. Dort lauerte allerdings ein brutales Lee, dass die VV innerhalb weniger Minuten über 500 m in die Tiefe beförderte und zum Rückflug an den Blachère zwang.
Michi erging es Minuten später nicht anders. Gott sei Dank fand sich am Ostende des Hausbergs von La Motte ein anfangs zerissener Bart, der aber mit wachsender Höhe immer runder und kräftiger wurde, so dass die dumpfen Gedanken an einen Absitzer in La Motte bald wieder verscheucht waren.
Inzwischen war Arne schon ein wenig voraus, an der Grand Gautière trafen sich die HI und die VV wieder und flogen gemeinsam zur Tête Grosse. Dort wartete die nächste Überraschung, kein Bart an den üblichen Stellen, abtauchen Richtung Norden und Neubeginn an den niedrigen Hügeln bei Espinasses.
Schließlich lieferte der Mont Colombis wenigstens wieder soviel Höhe, dass wir zurückfliegen konnten Richtung Sisteron. Die anderen meldeten sich nämlich bereits vom Authon und teilweise auch schon mit Begeisterung aus den Bergen im Osten und Südosten. Günter mit der AX unterwegs meldete sich schon vom Blayeul mit 2.800 m Kurs Südost.
Also nix wie hin und jetzt wurde das ganze zum Kinderspiel, Blayeul 4,5 m/s auf 2.800 m. Weiter zum Carton, 5,0 m/s auf 3.300 m und immer weiter nach Osten, Arne drehte bei 86 km von Sisteron um, Hans etwas früher bei 80 km.
Südlich verdichteten sich jetzt die Kumulanten zu Schauerwolken, aus denen unter beträchtlichem Absinken der Basis (teils um über 1.500m) noch Schnee fiel. Doch wir waren längst auf dem Weg nach Norden zum Col d´Allos, Grand Berard und St. Crépin. Die Bilder und Eindrücke wie immer atemberaubend, die Zehen wie immer steifgefroren und nach rund 5 1/2 Stunden und einer perfekten Landung war dieser wirklich gute Tag auch schon wieder vorbei.
Michi hatte mit der MS wieder den richtigen Riecher, erst nach Süden, dann nach Osten, dann nach Norden und so flog er an diesem Tag respektable 375 km!
Die Bilder des Tages wieder aus der VV geschossen:
Und beinahe hätte ich es vergessen, morgen, morgen wird es noch besser!

Der atemberaubende Anblick der Berge im Osten,
hier der Anflug auf den Carton.

Ein Duo Discus über den Schründen am Grand Bérard

Die Écrins, immer wieder ein Anblick der das Herz höher schlägen lässt.
Dienstag 16. März 2010
Der erste Wellentag des Urlaubs, begonnen allerdings hatte der Tag mit schwierigen Bedingungen, am Trainon trafen sich die VV, heute mit Arne und die MH mit Klaus in "Ameisenkniehöhe" und konnten sich nur mit Mühe wieder hoch arbeiten.
Danach ging es relativ gut weiter, bis Arne am Cheval Blanc die erste Welle des Tages fand. Danach ging es weiter bis nach Briancon und erst am späten Abend waren die VV und die MS mit Michi wieder zuhause.
Günter berichtete ganz begeistert davon, dass er zwischen l´Ubac und Cheval Blanc einen Rotor auskurbelte und als er nach oben schaute, sah er in großen Höhen einen richtigen Schwarm von Segelflugzeugen, die sich wohl zu Dutzenden um eine imaginäre Achse drehten, von der Sonne beleuchtet, ähnlich wie man Aufnahmen von Fischschwärmen kennt, faszinierend so meinte er, machte ein Foto und.. hat es nicht zum Abendessen mitgebracht, vielleicht klappt es ja morgen, dann holen wir dieses Bild des Tages gerne nach.
Der Verfasser dieser Zeilen kann das leider nur vom Boden aus berichten, die HI würde die Belastung durch Hans sicher nur sehr widerwillig ertragen und so gönnte dieser sich und der LS4 einen Ruhetag, morgen wird es sowieso noch besser.
Wenigstens mit dem Auslesen des FLARM´s der HI war Hans erfolgreich, ein kleiner Anruf bei Sascha Haffner half ihm auf die Sprünge und Arne zu zwei gemeldeten HI-Flügen, danke Sascha, wenn man den Rechner ansteckt kann man tatsächlich verschiedene COM-Schnittstellen einstellen und eine war dann die richtige.
Jetzt ruft schon wieder das Le Janus mit Apéritif Allemand und Pizza vom Feinsten.
Also kurz und bündig heute, aber wie gesagt, morgen...

Nach des Tages Mühen, endlich wieder zuhause, ist sie nicht schön, die Prinzessin?
Mittwoch 17. März 2010
Heute wurde uns im Briefing erklärt, dass es möglicherweise die nächsten 2 Tage etwas weniger gut werden könnte, daher wurden alle aufgefordert den heutigen Tag, wenn er auch nicht so gut zu werden versprach, doch zu nutzen.
Nun, wir vom Aero Club sind natürlich die ewigen Optimisten und behalten fast immer recht, deshalb standen alle 5 Flugzeuge der "Tölzer Buben", wie wir hier halb spöttisch, halb respektvoll genannt werden in der ersten Reihe.
Dann geschah lange gar nichts, erst gegen 1/2 1 Uhr bequemte sich Hans mit der VV in die Luft, hängte zwischen dem l´Hongrie und dem Trainon ungeduldig aus und fand sich bald über den Hügeln von La Motte im Tiefparterre wieder.
Arne, Michi, Klaus und Günter waren da viel klüger und liessen sich in den Trainon schleppen, dort ging es problemlos weg und ohne Stress an den Parcour. Die VV kämpfte sich hoch, wählte den zwar kürzeren aber auch risikoreicheren Weg über den Blachère, die Grand Gautière und die Tête Grosse zur Blanche, wo sich prompt wieder fast alle Aero Clubler trafen, lediglich Michi machte sich direkt auf den Weg ins Tal von Barcelonnette.
Der Rest flog über die Dormillouse zum Morgon und von dort zum Guilleaume, das erwies sich als der bessere Weg. Michi hatte zu kämpfen um über den Col de Var nach Norden vordringen zu können. Doch nördlich des Prachaval bei St. Crépin zeigten sich die Berge rund um Briancon etwas zickig. Es liegt eben auch in den Tälern noch viel Schnee
So kehrten bald alle wieder um, Klaus flog noch vorwärts bis zum Janus und brauchte daher auch am längsten um aus dem Kessel von Briancon wieder raus zu kommen. Danach gabelte sich der Weg, Arne mit der HI flog Richtung Westen, Michi auch, Hans hatte sich entschieden weiter nach Süden zu fliegen und so kam es dass ihm fast alle Aero Club Flieger irgendwann einmal im weiteren Flugverlauf entgegen kamen.
Nach etwas mehr als 5 Stunden waren alle wieder wohlbehalten zuhause und die Gesichter strahlten Zufriedenheit aus. Ein weiterer herrlicher Flugtag ist vorbei und morgen...
Ihr wisst ja schon was danach noch folgen soll. Mal schauen, wer recht hat, Jean-Pierre, der beim Briefing meinte die nächsten Tage könnte es regnen oder wir, die wir glauben, dass es morgen schon fliegbar sein wird.
Die Bilder des Tages:

Kleiner Plausch vor dem Start.

Danach die Seealpen von ihrer schönsten Seite.

Am Parcour, im Hintergrund der Cheval Blanc.

Am Abend noch mal zum Pic de Bure.
Donnerstag 18. März 2010
Also gut, wir geben es zu, es war nicht besser als gestern, aber...
...es war auch nicht so schlecht, wie es von Jean-Pierre beim Briefing vermutet wurde. Wir sind alle geflogen, für die Verhältnisse sogar ziemlich gut. Also, zumindestens Arne flog gut. Michi flog auch gut, allerdings zweimal, einmal mit Start in Sisteron und einmal mit Start in Fayence, wo er einen kleinen Absitzer hatte.
Klausi trieb sich lange Zeit am Parcour herum in durchaus mittelprächtigen Höhen. Die AX wurde von Hans gesteuert und verzichtete auf einen Abstecher zum Parcour, sondern machte am Blayeul kehrt Richtung Heimat, warum zeigen die beiden Bilder, die bei dieser Gelegenheit gemacht wurden. Die Hoffnung auf Wellen im Jabronnetal oder auch irgendwo anders rund um Sisteron wurden jedenfalls nicht erfüllt.
Auch Günter in der HI war bald wieder in Platznähe zurück und musste am Schluss an der "Badewanne", der Montagne de St. Genis nochmal im Hangflug ziemlich tief anfangen, um die Heimkehr sicherzustellen.
Arne flog souverän wie immer und damit auch die größte Strecke der Crew, unser Respekt ist ihm sicher, der unserer Freunde zuhause sicher auch!
Die Bilder des Tages schauen deutlich anders aus, als die vom Vortag.
Für morgen ist wieder der Durchzug eines "Thalwegs" angesagt, ein Thalweg ist eine Tiefdruckrinne, die normalerweise schlechtes Wetter oder sogar Regen bringt, daran möchten wir gar nicht denken, möglicherweise könnten wir uns dann ungewollt einen Tag Pause gönnen müssen, möglich aber auch, dass es besser wird als heute, wir werden sehen.

Wenigstens ist man nicht alleine unter dieser grauen Decke!

Bei solchem Wetter würden wir zuhause noch nicht mal aufbauen, geschweige denn mehr als 5 Stunden fliegen! Aber zwischen schlechtem Wetter in Deutschland und schlechtem Wetter in Südfrankreich ist eben immer noch ein signifikanter Unterschied.
Freitag 19. März 2010
Als wir bei nahezu völlig bedecktem Himmel zum morgendlichen Briefing gingen, war uns allen klar, dass heute nicht geflogen werden würde. Umso erstaunter lauschten wir den Worten von Jean-Pierre, der da etwas daher redete von Thermik und möglicher Südwelle und ganz zum Schluss sagte er auch noch: "Guten Flug!" und verzog keine Miene dabei, er meinte es offenbar ernst.
Wir öffneten die Vorhänge des Briefingraums und waren geblendet von strahlendem Sonnenschein, unfassbar, in den 20 Minuten, die das Briefing dauerte, hatte sich das Wetterbild komplett gewandelt, nur im Osten sah man noch die eine oder andere Wolkenbank, aber zweifellos hatte Jean-Pierre recht gehabt, es wird geflogen.
In aller Eile bauten wir unsere Flieger auf und schoben zum Start. kurz nach 12 Uhr waren alle in der Luft und auf völlig verschiedenen Wegen, Arne setzte sich mit der HI nach Westen ab, Michi drängte es nach Südosten, Richtung Fayence
und Hans bewegte die VV nach Nordosten, Richtung Barcelonnette.
Günter flog als Letzter ebenfalls Richtung Blayeul, wo er alsbald auf die VV traf, die einen etwas unorthodoxen Weg zum Parcour flog, nämlich Blachère, Grand Gautière, Tête Grosse und dann nicht etwa direkt zur Aiguillette, weil Hans dem Frieden noch nicht so ganz traute. Tatsächlich war die nach Osten abziehende Störung noch deutlich zu sehen über der Blanche und so schwenkte die ASW22 nach Süden und "parkte" kurz über dem Blayeul, als Günter unten in den guten Bart einflog, verließ die VV in 2700m den Blayeul und flog Richtung Nordosten auf die Blanche zu.
An der Aiguillette noch mal auf 3.000m gekurbelt und ab zum Grand Bérard, ohne Zwischenstop gelang der Anflug perfekt, in 2.400m fanden sich an der üblichen Stelle schnell 3,5 m/s und so konnte die Reise weiter gehen zur Mirandol (war nicht so toll) also gleich weiter über den Col de Vars, wieder hoch auf 2.800m und weiter Richtung Col d´Izoard.
Unterwegs dorthin ein Blick zurück und... ...Schock! Hinter der ASW22 hatte sich der Himmel fast ganz zugezogen, hohe dichte Stratuswolken bedeckten fast 7/8 des Himmels. Der Rückflug würde abenteuerlich werden. Nach der Umkehr zum eben noch so guten Bart am Col de Vars fand sich dort nur noch mäßiges Steigen auf 2.400m, das musste reichen um in einigermaßen guter Höhe an die Clotinaille fliegen zu können.
Aber würde dort überhaupt noch Thermik zu erwarten sein? Die gesamte Landschaft rundum lag im Schatten und die Luft war verdächtig ruhig geworden. Also flog Hans so Höhe sparend wie möglich über das Tal und traf genau in der Talmitte auf laminares Steigen von 1 m/s!
Zwar war die Welle nicht sehr stark und ging auch nicht sehr hoch, aber dafür änderte sich das Wetter schon wieder, innerhalb weniger Minuten löste sich die Stratusschicht in Wohlgefallen auf und der Himmel erstrahlte wieder in reinstem Blau, unglaublich.
Jetzt flogen plötzlich alle anderen nach Norden, Michi meldete sich an der Blanche, Heading Nord, ebenso Günter, nur Arne drängte es nach Süden, so wie auch die VV. Über den Cheval Blanc und die Coupe ging es bis zum Lac St. Andre, Arne flog noch auf die Südostseite und traf dort auf gutes Steigen. Hans drehte etwas westlich von Castellane um, flog Richtung Platz zurück weil sich dort mehrere Piloten meldeten, die eine Welle zwischen Gache und l´Hongrie gefunden hatten, außerdem war da eine "Wolkenwurst" nördlich der Lure zu sehen und die wollten sich Arne und Hans genauer ansehen.
Mittlerweile meldete sich Michi auf dem Rückweg von Briancon kurz vor dem Guilleaume und auch Günter flog von dort wieder zurück. Während Hans die ersten paar hundert Meter in der Gachewelle gewann, meldete sich Michi am Guilleaume in 2.700m und Günter ebenfalls dort aber die Höhe löste Besorgnis aus, er war in 1.200m. Minuten später meldete Michi, dass die AX auf dem UL-Flugplatz von Les Crots ausgerollt sei und einen Rückholer bräuchte. Der manchmal etwas tückische Wind rund um den Guilleaume hatte also ein "Opfer" gefunden.
So stieg die VV ab zur Landung, was gar nicht so leicht war, da die Welle mittlerweile mit 3,5 m/s der Absicht entgegen wirkte. Mit voll ausgefahrenen Bremsklappen und das Fahrwerk draußen und die Fahrt auf 170 km/h erhöht kamen gerade mal 1 bis 1 1/2 m/s Sinken raus.
Nach der Landung schnelle den eigenen Flieger aufgeräumt, dann war auch schon Michi da, er rollte der Einfachheit halber direkt vor den Hänger und wenige Minuten später waren Michi und Hans schon unterwegs nach Les Crots.
Arne hatte sich derweil in der Lurewelle hochgearbeitet und musste auf die Uhrzeit achten, um nicht nach Sonnenuntergang zu landen. Klaus, der seinen Flieger gar nicht erst ausgepackt hatte, half ihm nach der Landung.
Um 0900 Uhr abends waren dann alle wieder im Le Janus beieinander und erzählten von ihren Abenteuern. Morgen allerdings, da sollte es nun wirklich endlich mal unfliegbar werden, nach 7 wunderbaren Flugtagen würde uns das auch gar nicht so unwillkommen sein.
Die Bilder des Tages:

An der Blanche, mit Steigen im Geradeausflug.

Ein "grausliches" Wolkenbild voraus.

20 Minuten später, unglaublich!

Günter an der Tête d´Amont, noch ist die Welt in Ordnung

Für so ein Bild kann man schon mal woanders als zuhause landen, nicht wahr?
Samstag, 20. März 2010
Es regnet leicht. Genau eine Woche nach unserer Ankunft herrscht zum ersten Mal kein Flugwetter. Der Himmel ist mit hohen grauen Stratuswolken bedeckt, aus denen es hin und wieder leicht nieselt. Für die nächsten 2 Tage ist keine Besserung in Sicht, allenfalls am Dienstag könnte es wieder los gehen.
Gelegenheit also, mal wieder Geschirr zu spülen, das Womo säubern und viele andere nützliche Tätigkeiten zu verrichten. Arne und Michi gingen zu Fuß auf die Tête de Boursier, wobei Michi einmal bis über beide Knie im Schnee versank, Bilder folgen! Günter begibt sich weiter in den Süden, per Auto, nicht per Flieger, um sich um einige Angelegenheiten zu kümmern, er hat ja ein kleines Häuschen hier in Südfrankreich und so nutzt er die Zeit um dort nach dem Rechten zu sehen.
Am Abend wurden wir, zusammen mit allen anderen deutschen Sisteronfliegern zum Fischessen eingeladen. Angelika und Manfred Wanek haben ja eine zweite Heimat in Alaska, von dort bringen sie alle Jahre geräucherten Heilbutt und Lachs mit, selbst gefangen und konserviert. Ein solcher Heilbutt ist alles andere als ein leichter Fang, der diesjährige hatte mehr als 50 Pfund und es bedarf schon einer gewaltigen Anstrengung, so einen Riesen aus dem Wasser zu ziehen. Bilder davon hat uns Manfred schon vor einem Jahr gezeigt, die "Viecher" sind wirklich beeindruckend groß, bis zu 200 Pfund können sie wiegen und über 2 1/2 m lang werden.
Ein wahrer Schmaus, leider nicht für Michi, der für Fisch in jeglicher Form nichts übrig hat. Wir anderen bedanken uns recht herzlich bei Manfred, der mit unendlicher Geduld mundgerechte Stücke aus dem Heilbutt schnitt und Angelika, die feinste Lachsscheiben auf Tellern anrichtete und den Gästen reichte.
Die Bilder des Tages:

Kein schöner Anblick, alles grau in grau aber es kommen auch wieder bessere Tage.

Alle lauschen gespannt den Erläuterungen zum Halibutt-fishing in Alaska.

Der Gastgeber Manfred Wanek in der Mitte, eingerahmt von Helmut und Jörg

Angelika erklärt die Feinheiten des Lachsfischens, interessierte Zuhörerinnen, die Damen Irmgard Menzel und Heide Schindelmeiser.
So sieht ein Halibutt aus, dieser hier ist etwas kleiner, der größte jemals gefangene wog über 450 Pfund!
Das ist übrigens der Original-Halibutt, den wir zum Teil an diesem Abend verspeist haben. Ich meine natürlich das was da im Schubkarren liegt, nicht, die Dame die den Schubkarren schiebt.
Schon sehr beeindruckend, was das für ein Riesen-"Gerät" ist, dabei wog er "nur" ca. 40 Pfund, davon können ganz locker 50 Leute satt werden, wenn er denn erst mal filetiert und geräuchert ist.
Sonntag, 21. und Montag 22. März 2010
War es das schon? Wir sitzen hier seit 3 Tagen im Nieselregen rum und warten auf die nächste Gelegenheit, wieder mal zu fliegen, es schaut schon etwas trostlos aus und für Donnerstag ist schon wieder die nächste Schlechtwetterfront vorhergesagt, bleiben also nur die nächsten beiden Tage um eventuell noch mal den Hintern in die Luft zu kriegen.
Jeder beschäftigt sich momentan mit dem, was er eigentlich schon die ganze Woche erledigen wollte, der Webmaster z.B. damit, diesen Bericht zu schreiben. Wir melden uns morgen wieder, hoffentlich nach einem ausgiebigen Flugtag, irgendwann muss es ja besser werden.
Das Bild des Tages:
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Womo, Roller und im Hintergrund kaum noch erkennbar der Hausberg von Sisteron, der l´Hongrie
brrrrrrrrrr
Dienstag, 23. März 2010
Endlich scheint wieder die Sonne und schon sind die Aero Clubler mehrheitlich wieder in der Luft. Arne fliegt die weiteste Strecke, 375 km bei anfangs sehr niedriger Basis, er fliegt weit nach Westen, bis fast in das Rhonetal und dann bis hoch nach Plampinet.
Günter bastelt etwas rum, bis er aus unter 1.000 m über La Motte endlich wieder hoch kommt. Michi Wetzel hat den punktstärksten Flug des Tages und Hans hat seine Aufgaben am Boden endlich zu Ende gebracht. Von Klaus weiss der Webmaster nur gerüchtehalber, dass er wohl nach dem Ausklinken längere Zeit immer in der gleichen Höhe geflogen ist, aber was da genau abging, hat uns der Klaus noch nicht verraten, wir liefern das nach.
Morgen wird es noch besser, vor allem die Basis wird etwas höher sein und so freuen wir uns schon heute abend bei Vin rouge und Entrecote, Pizza und Tagliatelle carbonara auf den morgigen Flugtag.
Die Bilder des Tages stammen von Günter:

Blick vom Col de la Croix Haute ins Vercor, der Zacken in der Mitte ist der Mont Aiguille.

Blick vom Bramefan nach Südosten, wo noch die Restbewölkung des letzten Tages drinhängt.
Mittwoch, 24. März 2010
Ein guter Tag kündigt sich an, strahlend blauer Himmel über der Provence, nur ein paar kleine Wattebäuschchen über den Bergen. Also startet die Aero Club Crew schon zeitig gegen 1100 Uhr.
Die VV lässt sich zum Trainon schleppen und kann flott vorwärts fliegen über eine weniger übliche Route zum Parcour, nämlich über den Jouère, Les Monges und Blayeul. Dabei zeigt sich schon, dass die Wolken deutlich dichter werden als erwartet, noch dazu lässt der relativ starke Südostwind eine Annäherung an die Blanche nur unter großer Vorsicht zu.
Über der Hangkante angekommen, verabschiedet sich die VV gleich wieder von dem dort anzutreffenden starken Saufen und findet in einer Wolkenstraße über Seyne gutes Steigen auf über 2.800 m. Man muss offenbar heute etwas Abstand zu den hohen Bergen halten, dann klappt das auch mit dem Steigen.
Tapfer fliegt Hans auf den Guilleaume zu, findet über dem Lac de Serres Poncon durchaus hin und wieder Steigen und nähert sich äußerst vorsichtig dem Guilleaume auf der Südostseite an. Etwas enttäuschend das Ergebnis, der Hang trägt zwar etwas, aber Steigen ist kaum zu finden. Also wieder raus ins Tal, über Embrun ein Meterchen auf 2.700 m und dann, die Wolkendecke ist mittlerweile komplett geschlossen, ab Richtung Westen zum Mont Colombis, von dort gleich weiter zum Mont Serrieux.
Der erste wirklich wieder gute Bart wird dort bis auf 2.600m mitgenommen, dann noch eine kurze Stippvisite an der Crête de Celles, das Wolkenbild ändert sich minütlich, von Westen kommen drohende schwarze Wolken daher, am Malaup gelangt die VV über der Basis an und unter dem Flugzeug bilden sich kleinere Wolkenfelder. Alles nicht sehr vertrauenswürdig.
Der Entschluss heute früher zu landen und den Flieger zu verpacken, bevor es regnet fällt daher nicht schwer. Zwar heitert sich der Himmel während des Abstellens wieder etwas auf und die anderen Aero Club Flugzeuge fliegen noch fleißig in der Gegend herum, aber sooo schön war dieser Tag auch wieder nicht, dass man ihm nachtrauern müsste.
Weniger schön auch, dass eine Flächenstütze der ASW22 spurlos verschwunden ist, ebenso wie der Hänger neben der VV, der wird doch nicht versehentlich oder sogar absichtlich die Stütze eingepackt haben? Doch der wird...
Der fehlende Hänger gehört zur MH und daraus lassen sich schnell die richtigen Schlüsse ziehen. Nach knapp einer halben Stunde ist Klausi in La Motte du Caire "aufgeschlagen" und hat sich selbst zurückgeholt. Wie das geht? Klausi fragen!
Während die HI mit Arne sich eher in der Gegend um die Coupe aufhält und dort nach Wellen sucht und auch kleinere Exemplare findet, fliegt Günter mit der AX zuerst Richtung Parcour über den "sicheren" Weg also über Grand Gautière und Tête Grosse, entscheidet sich aber dann vernünftigerweise für die Umkehr und findet später über Aspres sur Buech tatsächlich eine gute Welle, die ihn bis auf knapp 3.000m anhebt.
Michi mit der MS macht es ähnlich und er landet, wie eigentlich immer als letzter, nachdem schon alle anderen Flieger in den Hängern sind. Für Morgen ist ja so was ähnliches wie Landregen vorhergesagt und so steht auch die VV im Hänger. Möglicherweise war das heute der letzte Flugtag für dieses Frühjahr. Genaueres wird man erst morgen am Donnerstag nach dem Briefing wissen. Dann werden wir entscheiden ob wir noch bleiben oder uns auf die Rückreise machen.
Die Bilder des Tages:

Wie immer die Aero Club Crew ganz vorne am Start.

Günter über der Tête Grosse mit Blick nach Osten, dahin, wo sich die VV rumtreibt.
Donnerstag, 25. März 2010
Wie schon gestern abend befürchtet, hat sich die Wettervorhersage für die nächsten beiden Tage nicht geirrt. Es nieselt leicht und tiefgraue Wolken decken die gesamte Region ab. Zwar wurde beim Briefing noch eine kleine Hoffnung auf ein Wetterfenster von 2 - 3 Stunden heute abend am Leben erhalten, aber für einen kompletten Flugtag reicht es nicht mehr und so haben wir uns entschlossen, heute abzureisen.
Schön war es, wie jedes Jahr, 8 Flugtage sind rausgekommen, trotz des teilweise schlechten Wetters und bald geht ja jetzt auch in Deutschland endlich die Saison an. Also, schöne Grüße von der Sisteron Crew 2010.

Zum Abschied noch ein Stimmungsbild, gemacht von Günter Wels anlässlich seines Besuches in Les Crots.
Freitag 26. März 2010
Noch ein kleiner Nachtrag. Wie jedes Jahr fügt es sich, dass der GO Hans Niesslbeck während des Sisteronurlaubs seinen Geburtstag feiert.
Das war ihm immer Recht, denn er feiert seine Geburtstage ja eigentlich gar nicht. Trotzdem schaffen es die Sisteroner Kameraden jedes Mal, den Tag nicht zu vergessen, was den Hans dann immer etwas verlegen macht, aber gefreut hat es ihn natürlich sehr. Und so war es auch dieses Jahr, wo wir ja genau an diesem Geburtstag abreisten.
Originaltext von Günter: "Lieber Hans, wir wünschen Dir noch viele schöne und lange und sichere Flüge und freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Frühjahre in Sisteron!" Leider haben wir nicht an Ort und Stelle auf Deinen Geburtstag anstoßen können (wegen der Heimfahrt), aber das holen wir noch nach!"

Unmittelbar vor der Abreise im Bureau des AC Sisteron